Das vorletzte Auswärtsspiel der Saison hielt mit dem Leimbachstadion in Siegen nochmal einen echten Leckerbissen für jeden Stadionromantiker bereit. Auf den altehrwürdigen Stufen des Gästeblockes gab der einheitlich in blau gekleidete Gästeblock optisch ein geschlossenes Bild ab. In Sachen akustischem Support musste der drückenden Hitze Tribut gezahlt werden. Motiviert durch einen umkämpften Auswärtssieg herrschte dennoch eine ausgelassene Stimmung und so fuhr man mit bester Laune und drei Punkten im Gepäck zurück in unsere wunderschöne Ex-Hauptstadt.
Stellungnahme: Unverhältnismäßger Polizeieinsatz
Die Regionalliga-Saison 25/26 neigt sich dem Ende zu, und aus Bonner Sicht kann man angesichts des frühzeitigen Klassenerhalts sowie des Erreichens des Halbfinals des Mittelrheinpokals unter sportlichen Gesichtspunkten auf eine gelungene Spielzeit zurückblicken. Auch das Spiel gegen den Tabellenzweiten aus Oberhausen markierte sowohl auf dem Rasen als auch im Block A einen gelungenen Dienstagabend. Dieser Eindruck wurde allerdings nach dem Spiel durch eine uns bisher unbekannte Form der Polizeiwillkür erheblich getrübt. Natürlich liest man Woche für Woche mit einer Mischung aus Frustration und Wut Berichte über immer neue Eskalationen von Seiten der Staatsmacht. Was es aber wirklich bedeutet, einer gewaltbereiten, aggressiven und vollkommen bewusst rechtswidrig agierenden Truppe Bundespolizisten ausgesetzt zu sein, versteht man wohl erst, wenn man selbst in eine derartige Situation gerät. Aber was ist überhaupt passiert?
Als Intro zum Spiel gegen Oberhausen zeigte unsere Jugendgruppe eine gelungene Choreo, die von etwas Rauch und dem kontrollierten Abbrennen einiger Fackeln untermalt wurde. So weit, so unspektakulär. Insbesondere verzog sich der Rauch recht zügig, sodass es zu keinerlei Beschwerden über Beeinträchtigungen des körperlichen Wohlbefindens kam. Dennoch sollte diese Aktion im Nachhinein als Rechtfertigung für schwerwiegende Grundrechtseingriffe dienen. Nach dem Spiel gingen wir geschlossen zu unseren Autos, um unser Material abzutransportieren. Bereits auf dem Weg bemerkten wir die enorme Anzahl an Polizisten, die uns begleitete. Ließ sich dies zunächst noch mit dem abreisenden Gästeanhang begründen, stellte man wenig später fest, dass es sich keinesfalls um eine präventive Schutzmaßnahme, sondern um die Vorbereitung für eine von uns als Gruppe noch nie erlebte Form des polizeilichen Machtmissbrauchs handelte. So bauten sich mehrere Reihen behelmter Staatsdiener vor uns und unseren Autos auf und verweigerten diesen die Weiterfahrt. Es wurde eine „polizeiliche Maßnahme“ angekündigt. So weit, so schlecht. Wie diese Maßnahme dann durchgeführt wurde, lässt uns auch Tage später sprachlos zurück. Nachdem zunächst eine Reihe von Beleidigungen und Provokationen aus den Reihen der Exekutive losgelassen wurde, wurde zügig die Kamera gezückt, um die erwünschte Reaktion der Fans aufzunehmen und für die Rechtfertigung weiterer Maßnahmen heranziehen zu können. Enttäuscht musste man aber feststellen, dass die Anwesenden schlau genug waren, nicht auf eine derart billige und bekannte Taktik hereinzufallen. Wohl auf der Suche nach Speicherkarten, die der Identifizierung der Pyrotechnik zündenden Fans dienen sollten, zog man unseren Fotografen sowie den Fahrer eines unserer Autos unter Anwendung von Gewalt aus der Gruppe.
Zunächst sollte es unserem Fahrer an den Kragen gehen. Ohne Einwilligung und ohne richterlichen Beschluss wurde das Auto durchsucht. Der Begriff der Durchsuchung ist hier eigentlich schon fehl am Platz. Gefunden wurde nämlich absolut gar nichts. Stattdessen ging man derart aggressiv vor, dass mehrere Schrammen und Beulen an dem betroffenen Fahrzeug zurückblieben. Doch hierbei allein sollte es nicht bleiben. In der Folge wurden beide Mitglieder unserer Fanszene zu entwürdigenden Nacktkontrollen gezwungen – ein schwerwiegender Eingriff in die Intimsphäre, der nur in absoluten Ausnahmefällen zu rechtfertigen ist. Beide Personen wurden gezwungen, sich vollständig (!) zu entkleiden. Als der restliche Teil der Gruppe hiervon Kenntnis erlangte und lautstark auf die Einhaltung geltenden Rechts verwies, wurde jedweder Einwand mit der Androhung von Gewalt oder einem süffisanten Lächeln und dem Verweis an einen nicht anwesenden Vorgesetzten beantwortet. Den handelnden Beamten war zu diesem Zeitpunkt also völlig bewusst jedenfalls gleichgültig, dass ihr Handeln evident rechtswidrig ist. Mit dem Gewaltmonopol in den Händen nahm man das aber gelassen in Kauf. Erst nach über einer Stunde wurde der Einsatz für beendet erklärt.
Die Bilanz: Keine Sicherstellung irgendeines Beweismittels, ein willkürlich beschädigtes Auto, zwei Nacktkontrollen und mehr als 50 Personen, die grundlos für über eine Stunde an der Heimfahrt an einem Dienstagabend gehindert wurden. Nimmt man noch einmal in den Blick, dass der Anlass im kontrollierten Abbrennen von Pyrotechnik ohne Geschädigte lag, ist die Frage nach der Verhältnismäßigkeit nicht ernsthaft mehr zu stellen. Was bleibt, ist vielmehr die Frage nach den Konsequenzen für den verantwortlichen Einsatzleiter und danach, wie ein derartiger Machtmissbrauch durch die Polizei in Zukunft verhindert werden kann. Wenn sich die Politik schon der Sicherheit im und um das Stadion verschreibt, dann sollte sie auch die Aggressoren auf Seiten der Staatsmacht klar benennen und nicht mit Scheuklappen vor den Augen umherirren.
20. Spieltag Bonner SC - Rot-Weiß Oberhausen
Im vorletzten Heimspiel der Saison durfte man mit Rot Weiss Oberhausen noch einmal einen attraktiven Gegner im Sportpark Nord empfangen. Die Terminierung auf einen Dienstagabend sorgte allerdings dafür, dass der ganz große Zuschauerandrang ausblieb. Schade eigentlich, die Mannschaft hätte sich das durchaus verdient. Im Block A sorgte die Allegro Jugend mit ihrer ersten selbst organisierten und durchgeführten Choreo für ein anschauliches Intro. Die Stimmung blieb anschließend über 90 Minuten zufriedenstellend. Auch auf dem Platz wurde eine starke Leistung gezeigt und man hatte den Tabellenzweiten zeitweise gar am Rande einer Niederlage. Alles in allem ein gelungener Abend, der allerdings durch einen unverhältnismäßigen Polizeieinsatz nach Ende der Partie getrübt wurde.
31. Spieltag Bonner SC - SC Paderborn 07 II
Freitagabend, Flutlichtspiel, Heimspiel. Diese an sich geile Kulisse wird heute lediglich durch den absolut toten Gegner in Form der Zweitvertretung des SC Paderborn gestört. Der Block war bestens gefüllt und die Stimmung erwartungsvoll, was die Mannschaft auf dem Rasen in der zehnten Minute jedoch mit einem Slapstick-Eigentor bestens zu dämpfen wusste. Anschließend gab unsere Truppe auf dem Rasen aber nicht auf und nach Wiederanpfiff in der Mitte der zweiten Hälfte kam der BSC durch Serhat Koruk zum Ausgleich. Auf den Rängen war es wohl der lauteste Heimauftritt der Saison, einige Lieder haben heute richtig gescheppert. Leider sprang der Funke nicht auf den Platz über, und unsere Jungs drückten vergeblich auf das 2:1, wodurch sich die Laune unseres Haufens allerdings keinen Abbruch tat. Da der Klassenerhalt aber bereits sicher ist, sei es unseren Jungs, die diese Saison wirklich großes geleistet, haben mal durchaus verziehen die Saison mit zuletzt einigen Unentschieden ausklingen zu lassen.
Wir lassen uns nicht spalten - Innenminister: Feinde der Fankultur!
Was genau auf der Agenda stehen wird, ist entsprechend nicht klar - die Erfahrungen der letzten IMK, die Drohungen der Politik gegenüber Vereinen und Verbänden, unterwürfige Verbände sowie die besorgniserregende Zunahme von Polizeigewalt und rechtswidrigen Maßnahmen gegen Fußballfans lassen uns allerdings wenig hoffnungsfroh sein. Während manche Innenminister und die Polizei daran zu arbeiten scheinen, Fanszenen zu spalten und eine Unterscheidung von „guten“ und „schlechten“ Fans zu konstruieren, möchten wir also diese heiße Phase der Saison nutzen, um erneut deutlich zu machen: Wir lassen uns nicht spalten! Seit dem letzten Jahr drücken gewisse Politiker den Vereinen und Verbänden die Pistole auf die Brust und drohen mit harten Mitteln, sollten sie ihren Forderungen nicht nachkommen. Dabei ist unter anderem die Rede von Lizenzentzügen, von Übertragung der Polizeikosten auf die Vereine sowie von personalisierten Tickets. Maßnahmen also, die die Vereine in die Knie zwingen und finanziell bedrohen können. Stellt euch vor, eurem Lieblingsverein wird die Lizenz für den Spielort des Stadions entzogen - oder zumindest für den Gästeblock! Wie sehr das Fehlen von Gästefans das Stadionerlebnis beeinträchtigen kann, ist bereits in vielen Ländern zu beobachten. Zustände, die wir uns nicht herbeiwünschen - gerade, wenn wir selbst als Auswärtsfahrer betroffen wären.
An dieser Stelle müssen auch die Verbände explizit angesprochen werden: DFB und DFL sonnen sich in schönen Bildern und vollen Stadien, die die Fanszenen ihnen Jahr für Jahr von Bundesliga bis in die unteren Ligen servieren. Dass für die Fans, für das besondere Stadionerlebnis in Deutschland und gegen willkürliche Maßnahmen ihre starke Stimmen erhoben werden, ist von den Verbänden erwartungsgemäß nicht zu vernehmen. Stattdessen wird eifrig den populistischen Forderungen gefolgt und an einer völlig undurchsichtigen zentralen SV-Kommission gearbeitet.
Die DFL sowie der DFB scheinen sich von diesen Drohgebärden einschüchtern zu lassen und vor dem Populismus der Politik einzuknicken. Sie scheinen bereit, unnötig repressive Maßnahmen wie die Verschärfung der Stadionverbots-Richtlinien durchzuwinken, um „schlimmere Übel“ abzuwenden. Die Verschärfungen eben dieser Richtlinien gehen also auch klar auf das Konto der Verbände, die weder ihren Vereinen Rückhalt bieten noch den wirtschaftlichen Faktor von aktiver sowie lebendiger Fankultur berücksichtigen zu wollen. Und das alles wegen einer hochstilisierten Gefahrenlage in deutschen Fußballstadien.
Es erschließt sich uns zudem auch sechs Monate nach der letzten IMK nicht, weshalb diejenigen Politiker, die sich mit der inneren Sicherheit Deutschlands beschäftigen sollen, überhaupt über den Fußball sprechen. Die herbeifantasierten Schreckgespenster gefährlicher Stadien wurden doch bereits im Vorfeld der letzten IMK entzaubert! Weshalb also wollen gewisse Innenminister das bunte und lebendige Stadionerlebnis durch repressive, rechtlich fragwürdige Maßnahmen aufs Spiel setzen? Weshalb wollen sie das Risiko in Kauf nehmen, Vereine finanziell zu ruinieren und Fankultur zu beerdigen?
Die realitätsfremden Wahrnehmungen von Politikern, die selten bis nie einen Fuß in unsere Stadien gesetzt haben, können nicht unwidersprochen bleiben. Wir Fans wissen, wie die Realität aussieht: der Fußball ist nach wie vor sicher und gleichzeitig braucht das Stadionerlebnis die lebendige Fankultur!
Die Zahlen der tatsächlich gefährlichen Vorfälle in Stadien sind so verschwindend gering, dass sie dieses Maßnahmenpaket niemals rechtfertigen können.
Lasst uns ihnen gemeinsam zeigen, was wir davon halten - wir lassen uns nicht spalten!
Fanszenen Deutschlands - Mai 2026



















